ENTSTEHUNG DES KINEMATOGRAPHEN

nach eigenhändigen Aufschreibungen von ARTHUR GENI, St. Pölten, seit 1902 im Betrieb seines Vaters LOUIS GENI gewesener Filmvorführer und nachmaliger Kinobesitzer nach des Vaters Tod, 1925.



E r i n n e r u n g e n an meine Jugendzeit, insbesondere an die Anfänge der
Kinematographie vor der Jahrhundertwende

Um meine Erfahrungen und Erlebnisse richtig schildern zu können muss ich weit zurückgreifen.

Mein Vater und meine Mutter waren von Abstammung Artisten und Schausteller und betrieben zu der Zeit, da diese Aufschreibungen beginnen, im 1895, ein Wander-Variete, Zaubertheater mit Geistererscheinungen. Zur Abwechslung kam aber auch ein Lichtbilder- Vortrag zur Darbietung. Wir nannten es damals LATERNA MAGICA, Nebelbilder. Der Apparat bestand aus zwei grossen, aus schönem Glanzblech gearbeiteten Laternen, die schon genau so ausgeführt waren, wie sie heute nicht besser sind. Die Objektivhalter und Armaturen waren schön vernikelt und alles schön ausgeführt. Eine Ueberblendung war auch vorhanden, sodass ein Bild in das andere schön verschwamm.

Dargeboten wurden Landschaften, Rittersäle, alte Burgen und Schlösser, Kunstwerke von alten Meistern, dann einige lustige Sachen, die sogar beweglich waren und zum Schluss die berühmten Komatroen, (Farbenspiele.)

Das war alles gut und schön und ist auch heute nicht viel anders, aber die Beleuchtung,

PETROLEUM ! Die Lampen sahen genau so aus wie die in den Kronprinz- Petroleumöfen, nur hatten sie nicht zwei, sondern vier Dochte von ungefähr 8cm Breite. Hinter der Stirnseite der Dochte war ein Metall- Hohlspiegel, an der anderen Stirnseite der Kondensator. Über diesem Brenner war ein zylinderartiger Rauchabzug. Es war ein Kunststück, mit dieser Lichtquelle auf eine Leinwand mit Durchprojektion ein gutes Bild, 4m gross, herauszubringen. Nach der Vorstellung hatten wir immer schwarze Gesichter.

Die Fachzeitschrift der Schausteller war damals der "Komet" in Pirmazenz. Darin wurde eines Tages ein neues Beleuchtungssystem für Nebelbilder und Scheinwerfer beschrieben und annonciert. Vater interessierte sich gleich dafür und es dauerte nicht lange, hatten wir dieses Wunder. Aber, oh weh, als wir die Sache probierten, gab es kein Licht. Vater fluchte, aber wir russten weiter, aber nicht lange.

Ich muss nun wohl dieses KALKLICHT etwas beschreiben. Auf einem Eisenfuss, ähnlich einem Bogenlampenfuss war ein Düsensystem, so wie ein Kalkkegel angebracht. Die ganze Lampe, so wie der Kegel waren verstellbar. Ein gemisch von Sauerstoff und Leuchtgas erzeugte eine Stichflamme, genau so wie heute eine autogene Schweisspistole. Die Doppeldüse war in ungefähr der Stellung der positiven Kohle einer heutigen Spiegellampe angeordnet und der Kalkkegel an der Stelle des Spiegels. Die aus der Düse austretende Stichflamme fiel auf den Kegel und brachte diesen zum Weissglühen. Dieser, wie ein Spiegel wirkender Kegel warf also seinen hellen Strahl durch den Kondensator auf das Dia u.s.w. Es war damals ein ungeheuer starkes Licht.

Nun zurück zur ersten Inbetriebnahme dieses Wunderlichtes. Wie schon gesagt, es klappte nicht. Der Fehler war, dass an der Sauerstofflasche kein Manometer und kein Ausgleichsventil vorhanden war.


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.'Was tat mein Vater ? Er ließ sich von einem Spengler einen Gasometer von 1 m³ Inhalt bauen. Der wurde aus der Stahlflasche angefüllt, mit entsprechenden Gewichten beschwert und es funktionierte ausgezeichnet. Das Leuchtgas musste aber auch unter einem bestimmten Druck verbraucht werden. Deshalb war ein Gassack vorhanden. Das war ein mit Gummieinlagen versehener Leinwandsack, der, aufgeblasen, die Form eines dicken Keiles hatte. Dieser Sack wurde zwischen zwei Holzplatten gelegt, die auf einer Seite durch Scharniere verbunden waren. Ein Gashahn mit Schlauchstück, welcher an der Schmalseite des Sackes angebracht war, wurde durch ein Loch in die Platten gesteckt und die obere Platte wurde ebenfalls entsprechend beschwert. Dieser Sack bereitete mir übrigens sehr viel Freude. Es gab damals nur in grossen Städten Gas, daher musste ich oft in eine andere Stadt fahren, um Gas zu holen, z.b. nach Hallein oder nach Gleissdorf, Leoben u.s.w. Mit dem zusammengelegten Sack, ein kleines Paket, zog ich los. In der betreffenden Stadt angelangt, wanderte ich zur Gasanstalt, wo ich zum Gasmeister verwiesen wurde und verlangte einen Sack voll Gas. Ich muss heute noch darüber lachen, was die Leute für Gesichter machten. Sie glaubten zuerst, dass ich sie zum Besten halten will, manche wurden sogar grob, da ich aber ernst dabei blieb, einen Sack Gas haben zu wollen und dabei langsam meinen Sack auspackte, wurden sie doch aufmerksam und meistens versammelte sich die ganze Fabrik um mich. Nach eingehender Musterung des Sackes wurde er dann an einen Hahn mit einem Schlauch angeschlossen und gefüllt, bis er stramm wie ein Ball war. Nachdem noch eingehend an allen Nähten gerochen worden war, wobei man den Sack fest drückte und festgestellt wurde, dass kein Gas ausströmt, wurde ich entlassen. Ich packte den Sack beim Hahn mit einer Hand, schwang ihn auf die Schulter und wanderte zur Bahn. Da gab es nun eine neue Sensation. Schon auf der Strasse sahen mir alle Leute nach, ja sprachen mich an, ob ich denn das tragen könnte, was da drin sei, u.s.w. Der Sack wog gefüllt zirka 1 1/2 kg. Leer war er schwerer. Er war beinahe so gross wie ich, aber viel, viel dicker. Es sah also wie eine kolossale Kraftleistung meinerseits aus. Beim Aufgeben als Passagiergut hatte ich dann wieder meinen Spass. Der Eisenbahner an der Waage packte ihn mit beiden Händen und hob ihn mit Gewalt auf die Waage. Da landete der Sack gewöhnlich am Plafond und sprang dann lustig auf der Erde wie ein Ball. Das war für mich ein grosses Vergnügen.

Elektrisches Licht gab es damals auch schon in manchen Städten, wie in Klagenfurt, Laibach, Triest, ja sogar in Wolfsberg in Kärnten, sowie auch in Graz etc. Die erste elektrische Eisenbahn sah ich in Laibach und in Budapest, da war sie sogar schon Untergrundbahn. Das erste elektrische Licht bei Schaustellern sah ich in St.Gallen in der Schweiz. Es war der Zirkus "Lorch" mit eigener Anlage mit Dampfbetrieb (Lokomobile) und ein zweitesmal in St.Veit a.d.Gl (Kärnten) auf dem Wiesenmarkt. Ein Schausteller aus Deutschland namens Platte hatte an der Front seines Panoptikums eine schöne Dampfmaschine mit stehendem Kessel und liegender Maschine und Dynamo. Bei dieser Maschine war ich in jeder Freizeit zu finden.

Damals gab es natürlich nur Kohlenfadenlampen. Nun komme ich zum eigentlichen Zweck dieses Aufsatzes, zum KINEMATOGRAPHEN.

Die ersten durchsickernden Nachrichten über Versuche, "Lebende Bilder" zu produzieren, brauche ich wohl nicht zu schildern, denn darüber wurde ja genug geschrieben. Ebenso wird bekannt sein, dass die allerersten Filme nicht die Ausmasse unserer Filme hatten, sondern beinahe so gross waren wie Ansichtskarten.


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Wir machten im Jahre 1895 mit unserem Zaubertheater in Kratzau in Böhmen letzte Station für dieses Jahr und überwinterten dort. Zu Weihnachten bekam ich ein sogenanntes Lebensrad. Das war eine, auf der oberen Seite offene Blechtrommel, die sich, auf einem Holzfuss liegend, drehen liess. An der oberen Hälfte ihrer Zarge? befanden sich Schlitze. Unter die Schlitze wurde ein Papierstreifen eingelegt, auf dem Figuren aufgedruckt waren z.B. ein Hund, auf dem ganzen Streifen immer derselbe Hund, 20 oder 30 mal, aber die Stellung war immer eine andere. Versetzte man die Trommel durch Anschupfen in drehende Bewegung und blickte man durch die Schlitze in die Trommel, so sah man ganz deutlich einen laufenden Hund. Man musste nur die Trommel in die richtige Tourenzahl bringen, dann war das so wie unsere Zeichen- Trickfilme. Es gab natürlich mehrere Streifen dazu. Das machte uns Kindern viel Spass und die Grossen guckten auch gern hinein. Das waren für mich wenigstens, die ersten "Lebenden Bilder".

Damals wurde schon sehr viel und allerhand über die neue Erfindung gesprochen, besonders im "Komet". Es dürfte so im Jahre 1896 gewesen sein, da erlebte Kratzau eine Sensation. Ein Wanderlehrer, ein Professor X, wie es damals mehrere gab, kam mit der neuen Erfindung, dem Kinematographen. Er spielte dort in einem Gasthaussaal nur einige Tage, denn das Programm reichte nur für eine Vorstellung. Mein Vater machte mich natürlich gleich bekannt und ich durfte der Vorstellung beiwohnen. Eine Projektions- Leinwand war auf einer Seite des Saales aufgespannt (das war mir ja nichts Neues) daneben stand ein Lesepult, wie bei allen Wanderlehrern. Gegenüber der Leinwand, im Saal drinnen, stand ein grosser Kasten, höchstens 2m im Geviert und ebenso an der Vorderwand hatte er die Höhe.

Das Projektions-- und das Guckloch dieses Kastens war aus Holzrahmen, die mit Leinwand bespannt waren. Das also war der Wunderkasten und ich durfte sogar hinein, kann mich aber nicht mehr genau erinnern, nur weiss ich noch, dass das Meiste aus Holz war und sich an der Seite dieses Gestelles ein grosses Rad mit einem Kurbelgriff befand.

Diese Kabinen wurden übrigens sehr lange beibehalten, nur wurden sie später mit Blechtafeln ausgeschlagen, sodass sie einigermassen schon feuersicher waren. Der Saal war voll besetzt und Alles schon gespannt.

Zu Beginn hielt der Professor einen langen Vortrag über die Erfindung und dann ging es los. Erst zischte und pfauchte es mal aus den Kasten, dass es manche mit der Angst bekamen. Der Professor hatte nämlich auch Kalklicht, ob mit Leuchtgas oder Aether weiss ich nicht mehr. Dann wurde der Saal finster gemacht, was bei der Petroleumbeleuchtung nicht so schnell gin. Dann erschien mit viel Lärm aus der Kabine das Bild.

Es wurde vorgeführt :Ein Wasserfall, ein fahrender Zug, eine Pferdeschwemme und auf was ich mich noch sehr gut erinnern kann, ein Gasthausgarten. Zwei Männer  sassen an einem Tisch beim Bier, ein dritter kam hinzu, die Kellnerin erschien und fragte nach dem Begehr, der Gast bestellte (alles pantomimisch) ein Krügel Bier. Die Kellnerin kam mit dem Bier. Einer der drei Gäste klopfte ihr ein wenig auf einen gewissen Körperteil. Die Kellnerin verschwand wieder. Dann mischte einer der Gäste die Karten und sie begannen ein kleines Spielchen. Aus ! Die Lampen wurden wieder angezündet und die Vorstellung war zu Ende. Es war sehr schön und ein Ereignis,  das ich nie vergessen habe und werde.


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Gestimmt haben die Bilder wohl, aber auch sehr gewackelt, fotographisch aber waren sie ausgezeichnet, sehr scharf und auch hell. Allerdings waren sie nicht gross, meistens 2 1/2m und der Saal nicht lang. Von da an hatte Vater auch den Kinofimmel, aber Mutter wollte nichts davon wissen.

Ein Jahr später, also 1897, waren wir in Triest über den Winter mit mehreren Schaustellern. Da man in Istrien und Dalmatien auch im Winter reisen konnte, blieben nicht alle in Triest sondern kamen und gingen, sodass immer Abwechslung war.

Eines Tages kam ein neuer Schausteller namens Johann Bläser aus Hannover mit einer Sensation für uns Alle, mit dem KINEMATOGRAFEN. Da mein Vater an seinem Wohnwagen das Wappen des "Verein reisender Schausteller und Berufsgenossen in Hamburg" angebracht hatte, klopfte Herr Bläser zuerst an unserer Tür und stellte sich vor. Vater stellte sich ihm zur Verfügung, wie es damals bei den Schaustellern war, besonders im fremden Land. Überhaupt waren die Schausteller damals wie eine grosse Familie und so erlebte ich mein zweites Kino. Das war aber schon etwas ganz anderes.

Am nachmittag desselben Tages kamen die Wagen des Herrn Bläser angefahren, ein schöner Wohnwagen, ein Packwagen und auch auf einem Wagen eine Maschine. Es war ein Petroleum- Motor von 5 und 6 PS, der mich natürlich am meisten interessierte. Dann wurde die Bude aufgebaut, wobei wir auch mithalfen. Die Bude war schön gebaut und wurde zu unserer Verwunderung mit beinahe schwarzer Leinwand überzogen und zwar zur Verdunklung. Wir anderen hatten graue oder grüne Leinwand. Innen wurde die Leinwand noch separat mit dunkelblauem Stoff dekoriert. Die Bude war ca 16m lang und 7m tief. Der ganzen Länge nach wurde sie in einer Tiefe von 2m in zwei Räume geteilt, die 2mal 16m waren. Kassa mit Eingängen und Lichtmaschine und der dahinterliegende Raum von 5mal 16m war der Zuschauerraum also. Von den 16m wurden noch 2m durch eine Querwand für die Kabine abgetrennt; diese war also 5mal 2m gross. Eine besondere Fassade hatte diese Bude noch nicht. Die Prachtfassaden kamen erst später. Das Programm bestand auch nur aus ganz kurzen Filmen und dauerte knapp 1/4 Stunde, aber die Bilder waren schon besser, was nämlich das Flimmern und Wackeln anlangt.

Bläser blieb dort sechs bis acht Wochen. Vor Ostern bekam er wieder einen neuen Film und das war wieder ein Ereignis. Überhaupt war dieser Winter für uns Kinder sehr schön. In die Schule brauchten wir nicht zu gehen, weil es in Triest keine deutsche Schule gab, Und darüber waren wir nicht bös.

Einmal bekam Bläser einen neuen Apparat, sagte aber nichts sondern schleppte Einen nach dem Anderen von uns ins Kino um ihn dann zu fragen, ob er nichts gemerkt hatte. Auf die verwunderte Verneinung wurde er ärgerlich und meinte "ist doch ein neuer Apparat, das muss man doch merken". Na, dann merkten wir es auch.

Was für Apparate Bläser hatte wusste niemand, denn in die Kabine liess er niemanden hinein. Ich weiss nur, dass es "Greifer" waren und ein Geklapper verursachten, dass man sie am ganzen Platz hörte, wenn keine Orgel spielte.

Musik gab es auch noch lange keine zum Film, nur die Titel wurden angesagt, da Schrifttitel nicht vorhanden waren. Meistens brüllte man selber durch das Guckloch und da die Trennungswand nur eine Tuchwand war, hörte man es zur Genüge.


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Vater bekam nun wieder Lust einen Kinematographen anzufangen, aber da geschah im Frühjahr dieses grosse Brandunglück in Paris, es war im Mai 1897. Dabei kamen viele Menschen ums Leben, lauter hohe Persönlichkeiten. Und da der Brand durch den Kinematographen entstand, war es mit den Beginnen bei uns wieder Essig.

In Sommer dieses Jahres trafen wir mit einem dritten Kinematographen zusammen, mit einem gewissen Narten, auch aus Deutschland. Der hatte schon eine Dampfmaschine (Lokomobile) 12 PS und eine orientalisch bemalte Fassade und nebenbei ein schönes, elektrisches Springpferde- Karussell. Sonst war Alles wie bei Bläser, nur musste Bläser schon einen besseren Apparat gehabt haben. Bei diesem Herrn Narten war ich aber schon in der Kabine und wickelte sogar Filme auf. Hier möchte ich gleich bemerken, dass es damals keine Aufwickel- Vorrichtung gab. Der Film lief aus dem Apparat von der unteren Transporttrommel direkt in einen Korb, von wo er wieder mittels eines kleinen Aufwicklers, der wie ein kleiner Schraubstock oder eine Fleischmaschine am Tisch (der aus Holz war) angeschraubt war, herausgewickelt wurde. Dabei musste der Vorführende aufpassen, dass ihm das Ende des Films nicht in den Korb fiel, denn sonst konnte er lange suchen, bis er das Ende wieder herausfand.

Damals wurde nach jedem Film eine Lichtpause gemacht. Die Lichtpausen wurden später noch beibehalten, wahrscheinlich, um die Vorstellung zu verlängern.

Norten hatte damals in Leoben nur Filme für ein Programm,  trotzdem hängte er eine Tafel hinaus "Heute neues Programm". Und was tat er? Er spielte das selbe, aber er drehte den Apparat, bevor der Film herauslief, zurück, was mit dem Apparat möglich war, sodass sich Alles nach rückwärts bewegte. Das war ganz lustig und die Leute waren zufrieden. Übrigens auf einen Fehler kam es damals nicht an, ob nun die Köpfe ein wenig unten oder die Beine oben zu sehen waren oder das Licht gelbe Flecken hatte oder Regenbogen, denn es gab keine Bildeinstellung. War der Film schlecht eingelegt, musste man eben aufhören und verbessern, waren aber die Bildzusammenstösse nicht auf der Mitte einer Perforationsloches sondern zwischen zwei Löchern, oder umgekehrt, so genau weiss ich das nicht mehr, so sah man eben etwas vom nächsten Bild oben oder unten. Einmal, da war ich gerade wieder bei Narten in der Kabine, da wurde es immer finsterer und finsterer. Da fing Herr Narten an zu fluchen und jagte mich aus der Kabine. Geh mal rasch und schau was los ist. Ich lief was ich laufen konnte und was war los? Der Maschinist, ein junger Bursche, sass auf dem Karussell auf einem Schaukelpferd und naschte Zuckerln. Auf das Heizen hatte er ganz vergessen. Der Dampfdruck wurde immer niedriger und die Maschine immer langsamer. Der Bursche bekam eins hinter die Ohren und dann vergass er nicht mehr auf das Heizen.

Dann war da noch ein Wanderkino in Ober- Österreich, ein gewisser Eggersberger; den trafen wir in Steyr. Er hatte eine sonderbare Bude, die nicht von Schaustellern gebaut war sondern eher von einem Zimmermann und einen kleinen Benzinmotor. Diese Leute verschwanden aber spurlos, so noch einige Andere von allem Anfang, die in Sälen mit Kalklicht Versuche machten. Bahnbrechend waren aber nur die Schausteller

Einen hätte ich bald vergessen, Franz Josef Oeser. Er war auch einer der Allerersten. Wir trafen ihn in Villach, die Jahreszahl weiss ich nicht mehr, aber jedenfalls nach Bläser. Er hatte auch die übliche Bude, Benzinmotor, Greiferapparat und Korb. Hier durfte ich Alles, auch den Apparat, besichtigen und Herr Öser


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erklärte mir bereitwilligst Alles, denn ich war sehr neugierig. Herr Öser verschwand aber aus Österreich. Er reiste lange in Rumänien, sowie in Bulgarien und wurde ein reicher Mann.

In diesem Herbst waren  wir in Salzburg zum Fest. Da waren immer viele Schausteller, unter Anderem auch Herr Bläser. Und der hatte damals etwas ganz Neues für uns und zwar eine Notenorgel, direkt aus Paris von der Firma Favioli. Es war die erste Notenorgel die ich kennenlernte. Es gab damals nur Walzenorgeln. Die Musik auf den Walzenorgeln war beschränkt auf ihre Länge. Auf einer Walze waren 8 bis 10 Stücke. Der Durchmesser der Walze erlaubte eine Länge des Musikstückes wie bei kleinen Leierkasten von 48 Takten. Die grösseren und meist vertretenen hatten 64, die ganz grossen 80 Marschtakte. Die Notenorgeln spielten die Stücke vollständig und machten damals noch lange Zeit grossen Effekt. Die Leute standen stundenlang und hörten zu. Es gab da überall Stammgäste.

Vater hatte das Zaubertheater aufgegeben und statt dessen ein Panoptikum angeschafft. Damit reisten wir im Winter 1897- 1898 nach Italien. In Mailand war ein grosses Fest. Viele grosse und kleine Schausteller waren da anwesend und so auch drei grosse Kinos. Die Buden waren mindestens 18m lang und hatten auch schöne Fassaden, grosse Lichtmaschinen und sehr viel Beleuchtung, Glühlampen und Bogenlampen. Zwei von den Schaustellern waren Deutsche und ein Italiener. Dort sah und hörte ich schon mehrere Notenorgeln. In einem Dampf- Karussell stand eine 6m lange Gavioli- Orgel mit vielen beweglichen Figuren und prachtvoll geschnitzter und vergoldeter Fassade. Überhaupt war dies ein Prachtkarussell, ein Berg- und Tal- Springpferde- Karussell mit grossartigen Schnitzereien, Vergoldung und Malerei. Es war mindestens 20m im Durchmesser, hatte in der Mitte eine Lokomobile von vielleicht 20 PS, eine Zwillingsmaschine. Ihr Schornstein, der auffallend dick war ging mitten durch das Dach und sah oben ca 2m heraus. Diese Maschine diente zum Antrieb des Karussells. Nur ein Maschinist bediente diese Maschine, die er immerfort anlassen und wieder abstellen musste, denn wenn das Geschäft flott geht, dauert eine Karussellfahrt 3 Minuten, auch heute noch, also hatte der Maschinist genug zu tun. An den Haupttagen wurde um 10h vormittag geöffnet und ging die ganze Nacht bis 5 und 6h früh durch. Neben der Antriebsmaschine stand die Lichtmaschine (ebenfalls Lokomobile). Die hatte auch zwei Zylinder aber nicht Zwillinge, sondern Hoch-und Niederdruck (Coupontmaschine). Der Schornstein dieses Lokomobils mündete in den dicken Schornstein der Antriebsmaschine. Diese Maschine wurde von einem zweiten Mann bedient, der auch zugleich beide Kessel heizte. Auf der anderen Seite der Antriebsmaschine stand nun die grosse Orgel. Diese wurde auch von einer herzigen, kleinen Zwillingsmaschine angetrieben, die von dem Kessel der Antriebsmaschine gespeist wurde.

Die Maschinen strotzten von Messing und blanken Teilen und wenn sich das Alles bewegte und drehte, jede Maschine hatte 2 Schwungräder, also 6 Räder, 6 Pläuelstangen, 6 Kreuzköpfe, die Excenter und Speisepumpen, Regulatoren u.s.w., das war einfach faszinierend. Dazu die vielen hundert Glühlampen und eine Menge Bogenlampen, was sich Alles mitdrehte. Ich habe später noch andere solche grosse Sachen gesehen und selbst hatten wir auch grosse Geschäfte, aber diesen ersten grossen Eindruck werde ich nie verlieren. Die späteren grossen Fahrgeschäfte von Hugo Haase und Anderen waren ja noch viel, viel prächtiger.


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Haase hatte eine Stufenbahn (Trottoir rolant). Zu der benötigte er 3 und 4 50 PS Lichtmaschinen. Alle diese späteren Fahrgeschäfte wurden elektrisch angetrieben. Die Maschinen waren nur zur Erzeugung des Stromes da und standen irgendwo abseits in Buden, für das Publikum unsichtbar.

Nur die Wanderkinos hatten es beibehalten und zwar bis zu ihrem Ende, die Maschinen in der Front, dem Publikum sichtbar, aufzustellen. Sogar im Prater hatten die Kinos ihre Umformer am Glaskasten auf der Kassa stehen.

Von Mailand fuhren wir wieder aus Italien heraus. In Fiume trafen wir wieder mit Norten zusammen. Damals war gerade der Burenkrieg. Wir hatten im Hafen aufgebaut, vor uns die Häuser, dann die Strasse, dann unsere Bude, hinter uns Kisten und Fässer, dann Schiffe, grosse, englische Überseedampfer, die Pferde aus Ungarn einschifften. Täglich kamen Züge mit Pferden. Zwei Geleise liefen hinter uns vorbei und weiter rechts noch mehrere, den ganzen Hafen entlang. 800 bis 1200 Pferde wurden auf ein Schiff verladen und es ging hoch her.

Narten hatte ungefähr 100m weiter von uns seinen Platz. Zu Weihnachten stellte er einen grossen Christbaum mit elektrischen Kerzen auf seine Parade auf. Das war für die Italiener etwas Neues, denn einen Christbaum kannte man dort nicht.

Bläser war auch da, aber an einem anderen Eck der Stadt am Kanal. Eines Tages blickten die Schiffer immer besorgt zum Himmel und sagten, es wird eine grosse Bora geben. Da liess Vater die Figuren alle in Kisten packen, stellte die Wagen an die Windseite und die Bude wurde mit allen verfügbaren Seilen und Ankern befestigt. Dann fing die Bora aber auch schon an. In der Nacht wurde sie immer stärker. Ich hatte schon manche Bora erlebt, die erste, als ich 11 Jahre alt war, da fuhren wir von Pola nach Abbazia mit dem Dampfer "Psyche". Der Sturm dauerte 3 Tage und Nächte. Der Kapitän, ein alter, weisshaariger Mann, sagte, er habe seit 30 Jahren keine solche Bora erlebt. Die Fahrzeit von Pola nach Abbazia war nicht lang, ich glaube 5-6 Stunden, aber wir kamen nicht durch den Quarnero. Der Kapitän versuchte es einigemale, kehrte aber um und ankerte in der Bucht von Prematore. Dort blieben wir  bis der Sturm nachliess und fuhren am dritten Tag nach Pola zurück. Der Sturm in Fiume war mindestens so stark. Wir wachten die ganze Nacht. Auch Norten hatte Alles festgemacht und seine Leute wachten ebenfalls. Wir umgingen die Bude von Zeit zu Zeit und befestigten immer wieder was sich losgerissen hatte. Die Bogenlampen des Hafens brannten auch die ganze Nacht, denn auch die Seeleute hielten Wache. Die Bogenlampen blies der Wind immer wieder aus. Da dann stets eine ganze Serie verlöschte und wieder aufleuchtete, war das ein gespenstischer Lichteffekt. In den Strassen rissen die Oberleitungen der Strassenbahn, die abgerissenen Enden der Drähte fielen auf das Pflaster und die Schienen brannten infolge des Kurzschlusses ab und verursachten weithin sichtbare Blitze wie bei einem Gewitter. Das Geheul am Takelwerk der Schiffe war unheimlich. Ab und zu riss oder brach irgendwo etwas durch die Befehle und das Geschrei des  Kapitäns und Schiffsleute. Das Alles war fürchterlich. Nach Mitternacht rissen die Halteseile eines grossen Dampfers am Achterdeck. Es wurde achtern abgetrieben und wieder an die Kaimauer geworfen. Na, da war der Teufel los. Alles, was nur abkommen konnte arbeitete an dem Schiff bis es wieder fest war. Das dauerte sehr lange und war ein schweres Stück Arbeit. Dabei war es sehr gefährlich, denn wer nicht fest auf den Beinen stand, den schleuderte es irgendwo hin, womöglich ins Meer. Darum banden sich mehrere Leute mit Stricken zusammen, so wie Hochtouristen, nur enger aneinander. Auch diese Nacht ging vorüber.


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Norten und uns hatte es nicht viel Schaden gemacht, da wir Alles gut gesichert hatten aber Herrn Bläser und den anderen Schaustellern hatte es bös mitgespielt. In Triest, im Winter 1899- 1900, trafen wir Norten zum letzten Mal. Er verschwand aus Österreich und ich habe nie mehr von ihm gehört.

Auch Herr Lifka war damals den ganzen Winter in Triest. Wir hatten unser Museum in einem Lokal in einer der Hauptstrassen von Triest, ich glaube sie hiess Aquittoto. Im Fonto Coroneo standen Herr Lifka, Herr Norten und etliche Schausteller, die meisten nur vorübergehend. Dafür kamen wieder andere.

Damals beschloss Herr Lifka und Papa auch Kinoleute zu werden.

In diesem Winter kam auch Bläser nach Triest und hatte zum Erstaunen aller Schausteller und auch des Publikums 80 wunderbare, feststehende und flimmerfreie Bilder, wie wir sie uns niemals hätten träumen lassen. Auch hörte man den Apparat fast gar nicht. Aber es war nicht herauszubekommen was es für ein Apparat und woher er war. Die Schausteller waren nicht die Dümmsten und scheuten auch nicht zurück, bei Nacht zu spionieren. Aber Bläser hatte seinen Wohnwagen stets und überall am Giebel seiner Bude stehen, an dem der Apparateraum war, so dass der Raum immer bewacht war. Es hätte uns trotzdem nichts genützt, denn, wie ich später erfuhr war am Apparat keine Firma und im "Komet" und "Anker", eine damals dem "Komet" ähnliche Zeitung war darüber nichts zu lesen.

Im Jahr 1901 war in Ried, Ob.Österr. eine Ausstellung mit Volksfest. Dort waren wieder viele Schausteller vertreten, unter Anderem auch Bläser. Ob Lifka mit seinem Geschäft dort war, kann ich mich nicht erinnern, persönlich war er bestimmt da, denn er und Papa tätigten damals den Abschluss ihrer Lichtmaschinen. Es war dort von der Maschinenfabrik F.C.FLODER in Sorgenthal eine Dampfspritze ausgestellt, so schöne Maschinen, wie wir wohl noch selten welche gesehen hatten. Ich glaube Herr Floder war selbst zugegen. Es wurde also verhandelt und abgeschlossen und zwar von beiden Herren, Lifka und Geni. Statt der Spritze wurde der Dynamo mit Zahnradkuppelung montiert. Die Lieferung sollte Anfang 1902 erfolgen.

Im Frühjahr 1901 kamen wir in Laibach mit Herrn Oskar Gierke aus Graz ''Fantoschtheater" zusammen. Dieses Fantoschtheater war damals einem Brand zum Opfer gefallen. Ob das gerade in Laibach war, kann ich mich nicht erinnern. Jedenfalls baute Gierke damals die Bude wieder auf, aber nicht mehr zu dem obgenannten Theater sondern zum Kinematographen. Die Grösse der Bude war gerade die richtige dazu. Dort bekam er eines Tages einen Apparat von Lubin aus Philadelphia. Ich war selbstredend beim Auspacken dabei, um das Wunderding gleich zu bestaunen, aber, oh weh, es war eine jämmerliche Maschine. Es sah wohl so aus wie eine Kinomaschine aber es war filigranes Machwerk. Herr Gierke packte es sofort wieder ein und schickte es zurück, wofür er Filme bekam. Kurze Zeit trafen wir mit Gierke in Cilli wieder zusammen, da hatte er schon Alles, auch die Lichtmaschine beisammen, eine Lokomobile mit Dynamo und gab schon Vorstellungen.

Ich malte dort gerade die grosse Schrift für unsere Fassade. Im Laufe dieses Jahres wurde unsere Kinobude fertig. Im Frühjahr wurde noch in Graz die elektrische Anlage vollendet und im Jahr 1902 führte ich in Znaim  zum erstenmal in unserem Kinematographen-Theater "Lebende Bilder" vor. Nun unser Apparat? Ja das war so. Ich hatte schon vorher erwähnt, dass Herr Bläser so wunderbare Bilder hatte, dass ihn


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Alle beneideten. Nun, Vater war gut Freund mit Herrn Bläser und es gelang ihm ihn dazu zu bewegen, ihm einen solchen Apparat zukommen zu lassen. Noch während des Aufbaues in Znaim kam eine Kiste an und wurde selbe sofort geöffnet und Alle waren in Erwartung aufgeregt. Jedem ging es zu langsam. Endlich war der Kasten offen und was kam heraus? Etwas ganz Anderes als wir bis jetzt gesehen hatten. Wir wunderten uns schon über das Gewicht der Kiste. Wir dachten, dass Bläser vielleicht eine komplette Einrichtung gesandt hätte, aber es war der Kopf, ein Umroller und etliche Filmspulen darin. Ja, was war das für ein Ding ? Eine kolossale, massive und schwere Maschinerie kam da zum Vorschein, ein Präzisionswerk, wie wir uns das nicht vorstellen hätten können. Keine Ketten, nur alles Zahnräder und Schraubengetriebe, alles aus Bronze, Messing und Stahl. Das Fenster war wie eine Tür zu öffnen und ausserdem liess es sich um ein ganzes Bild durch ein Zahnstangengetriebe auf und ab bewegen. Im Schwungrad war ein Regulator eingebaut, der eine Feuerschutzklappe betätigte, ähnlich der Ernemann I, nur schwenkte die Klappe seitlich aus.

Die Um- und Nachwickeltrommel war zusammen. Der Unterbrecher, heute sagt man sonderbarerweise Blende, war unsichtbar. Nur von vorne konnte man ihn sehen, zwischen Fenster und Objektiv zugebracht. Der Ober- und Unterarm war schwer und massiv, also keine Gabeln, wie hier üblich. Sie waren abnehmbar. Man brauchte die Spulen nur aufstecken und den Schnapper umlegen und schon sass die Spule fest. Der untere Arm war mit einer Aufwickelvorrichtung versehen, die anders aussah als die bisherigen.
Sie wurden nicht durch Riemen oder Stahlfedern angetrieben, sondern durch eine Welle mit Kegelrädern und hatte eine Friktion, alles so ähnlich wie bei Ernemann I. Bei den bisherigen wurde der Ausgleich der Geschwindigkeits- Änderung einfach dadurch hergestellt, dass der Riemen oder die Feder zu rutschen anfingen und sozusagen die Schnurscheibe mitschleiften, was sich aber bei vollgewickelten Spulen unliebsam bemerkbar machte. Das Sonderbarste an dem Apparat aber war, dass er keine Greifer hatte. Der Transporter, wohl auch heute ein unbekanntes Wort, war ein sogenannter Schläger. Ein, auf dem Rand einer sich drehenden Scheibe sitzender Bolzen, der die Bewegung einer Kurbel ausführt, befindet sich unterhalb des Fensters, dort wo heute die Malteserkreuz- Trommel sitzt. Man legte den Film so ein wie heute, oben eine Schleife,  dann achtete man, dass der Schläger am tiefsten Punkt stand und zog den Film unter dem Schläger, ohne Schleife, zur Abwickeltrommel. Drehte man nun den Apparat, so wich der Schläger nach oben aus, die obere Schleife wurde länger, die untere kürzer, wobei der Schläger sich vom Film entfernte kam der Schläger aber wieder von seinem Höhepunkt nach abwärts, berührte er wieder den Film und zog ihn nach unten. Ich muss sagen, dass es der vollkommendste Apparat der damaligen Zeit und darüber hinaus war. Das Verrückteste dabei aber war, dass wir nicht wussten, woher der Apparat war. Bläser hatte Alles, was über die Firma hätte Auskunft geben können, entfernt.

Eines Tages las ich Vater, wie alltäglich, die Zeitungen vor, darunter auch den "Komet". Als ich zum Inseratenteil kam fiel mir ein neues Inserat auf. Es empfahl eine Firma "Leon Gaumont Paris" eine Filmklebepresse , das wäre weiter nichts Besonderes gewesen, aber auf der Klebepresse, die abgebildet war, konnte man ganz deutlich das Wort ELGE lesen. Dieses Wort war auch im Bock unseres Apparates eingegossen. Es war mir sofort klar, dass dort unser Apparat her war. Ich zeigte es Vater und schrieb sofort um einen Katalog nach dort und richtig, es war die Firma. Die Presse und noch ein zweiter Apparat wurden bestellt.
Die Klebepresse besitze ich heute noch. Der zweite Apparat diente zur Reserve.


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Also, der Apparat war da, Laterne und Lampe hatten wir, aber der Tisch fehlte noch. Der wurde beim nächsten Tischler aus Holz angefertigt. Die Lichtmaschine war noch nicht eingetroffen, daher liess Papa vom Städtischen Werk anschliessen. Widerstände für die Lampe waren auch da und was sonst noch fehlte wurde uns vom Werk geliefert. Zu der Zeit waren die Leute überhaupt sehr hilfsbereit, denn Alles, was irgendwie mit Technik zu tun hatte, interessierte sich für den Kinematographen. Überall gab es hilfsbereite Hände. Da kamen Elektriker, Maschinisten, Fabrikanten, Ingenieure und gaben gute Ratschläge. Allerdings hatten sie dabei auch Hintergedanken, denn sie waren neugierig, etwas vom Film und Kinoapparat zu erhaschen und den Willen tat ihnen mein Vater gern. Für mich war diese Bereitwilligkeit oder sagen wir, Neugierde, sehr von Vorteil, denn ich lernte dabei allerhand.

Nachdem wir aufgebaut hatten wurde ein wenig geübt und dann ging es schon los. Der Apparat arbeitete ganz einfach wunderbar. Natürlich wurde mit der Hand gedreht, 13-14 Bilder. Motore verwendete man damals noch nicht, obwohl das Schwungrad des Apparates schon eine Schnurrille hatte. Man war der Ansicht, dass durch den Motor der Film leiden würde. Ich war anderer Ansicht, aber es dauerte lange Zeit, bis ich es durchsetzte einen Motor zu bekommen.

Ein eigener Abschnitt waren die Projektionslampen. Ich kannte bisher nur Scheeren- lampen. Die Kohlenhalter dieser Lampe standen geöffnet, wie die Schenkel einer Scheere, auseinander. Durch eine Regulierschraube konnten sie auf und zu, also einander genähert oder entfernt werden. Waren die Scheeren geöffnet, so standen die Kohlenstifte schief nach vorne, da sie ja im Winkel zu ihren Scheerenschenkeln standen, welche auch von ihrem Drehpunkt aus aufragend schief standen. War die Scheere geschlossen, so hatten die Schenkel eine mehr horizontale Lage. Die Folge davon war, dass sich der Lichtpunkt in seinem Abstand vom Kondensator verschob. Setzte man neue Kohlen ein, so musste man die ganze Lampe nach rückwärts aus der Laterne herausziehen und während der Vorstellung bei jedem Nachregulieren wieder vorsichtig den Kondenser nähern, also hineinschieben. Zum Einstellen gab es ausser der Kohlenregulierschraube nur noch eine zum hoch und nieder stellen und zum Seitwärtsdrehen der Lampe. Den oberen Kohlenhalter konnte man nur noch lockern, eine Stellschraube etwas verdrehen. Also so bequem wie heute war das Lichtmachen nicht. Zum Glück dauerte die Vorstellung nicht lang, etwa eine Viertelstunde.

Erst später verlängerten sich die Vorstellungen auf 1/2 oder dann auf  3/4 Stunde. Dabei blieb es lange Jahre.

Die erste Vorstellung wurde also mit viel Hallo losgelassen. In der Kabine gab es eine reine Volksversammlung. Vater stand rechts vom Apparat und kommandierte, ich links und drehte, den Wilhelm hintendran und schraubte an der Lampe. Mutter war auch da und machte spöttische Bemerkungen. Sie konnte den  Kinematographen nicht leiden. Mein jüngerer Bruder stand auch im Weg herum und es ging lustig her. So ging die erste Vorstellung mit viel Radau zu Ende. Publikum war noch keines in der Bude. Es war eine Probevorstellung.

So, sprach Vater, jetzt macht Alle, dass rauskommt und lasst den Jungen allein. Der Junge war ich und nun los, jetzt wird aufgemacht.

Es war schon gegen Abend und die Leute warteten schon auf die Eröffnung. Ich richtete mir wieder Alles her und kaum wurde aufgemacht, war die Bude auch schon voll. Ich war wohl etwas aufgeregt, aber es dauerte nicht lange, nur bis nach dem ersten Bild. Dann ging die


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Sache schon so wie bei den  Nebelbildern. Und so ging der erste Tag mit drei Vorstellungen ohne Störung zu Ende.

Nur eine unliebsame Bemerkung machte ich. Mitten im Spielen blieb plötzlich die untere Spule stehen und der Film fiel auf den Boden. Die Ursache? Einer aus den Publikum in der letzten Reihe war mit seinem Stuhl etwas nach rückwärts gerückt und da, wie schon vorher beschrieben, sich zwischen Kabine und Zuschauerraum nur eine trennende Leinwand befand, hielt er mir mit seiner Stuhllehne die Spule einfach auf. Ich klopfte ihm durch die Leinwand auf den Rücken und ersuchte ihn ein wenig abzurücken, was auch ohne weiteres geschah. .Anderen Tages machten wir eine Holzbarriere vor und das Uebel war abgestellt.

Oben nannte ich einen Wilhelm und glaube ich, den auch vorstellen zu müssen. Also der Wilhelm kam zu meinem Vater als ich 4 Jahre alt war. Beim Zaubertheater war er der "Dumme August", beim Museum erster Bursche und dann später beim Kino Maschinist.

In der zweiten Woche in Znaim kam auch die Maschine und das war wieder ein Ereignis. Spät nachmittags kam das Aviso und nächsten Morgen wurde sie geholt und gleich auf ihren Platz in der Front eingefahren.

Wie schon vorher bemerkt, war es eine grosse Dampfspritze, also eine stehende Maschine nach Schiffsmaschinenart mit stehendem Kessel. Schön war die Maschine. Nachdem sie in die Wasserwaage  gestellt und verankert war, wurde sie geschmiert,  alles noch einmal durchgesehen, der Kessel gefüllt und dann wurde angeheizt. Einen Heizer hatte Vater schon in Graz engagiert. In 10 Minuten war Dampf, sodass die Ventile abbliesen. Also liessen wir anlaufen, ich schaltete den Nebenschluss langsam ein und schon hob sich das Voltmeter, 5, 10, 20, 65 Volt. Die Glühlampen am Schaltbrett und im Maschinenwagen leuchteten auf und brannten schön ruhig.

Die Maschine hatte natürlich entgegen der Dampfspritze einen Regulator. Nun wurde wieder abgestellt, das Feuer zusammengeschoben und etwas Dampf abgeblasen. Dann schalteten wir die städtische  Leitung ab, wechselten die Glühlampen aus von 110 auf 65 Volt, schalteten von der Projektionslampe den Vorschalt-  Widerstand ab und dann wurde noch einmal kurz probiert. Zum langen probieren hatten wir niemals Zeit. Es brannte und klappte alles.

Nun kam die Vorstellung. Solange es Tag war, ging alles gut. Papa kam zwar und sagte: " Du, hast Du nicht zuviel Ampere? Der kommt draussen mit dem Heizen kaum nach." Wir sahen auf das Amperemeter, aber es war nicht zu viel, es war schon aufregend und richtig, als es dunkel wurde und die Aussenbeleuchtung eingeschaltet war, da wurde eine Lampe nach dem zweiten oder dritten Bild finster. Papa kam herein geschossen und schrie : " Stell ab, wir haben keinen Dampfdruck." Ich unterbrach die Vorstellung und lief mit nach vorne. Der Heizer schwitzte, dass ihm das Wasser über das Gesicht rann. Indessen wir berieten, war aber schon wieder Überdruck, sodass die Ventile pfiffen. " Also los, geh, spiel weiter." Aber nach 5 Minuten war das selbe und so spielten wir die Vorstellung auf Raten zu Ende.

Andern Tages wurden die Glühlampen wieder ausgewechselt, der Stadtstrom wieder angeschlossen u.s.w. Sachverständige waren auch da und es wurde festgestellt, dass der Kessel eben ein Feuerspritzenkessel doch kein stabiler Betriebskessel sei. Er kam rapid auf den Dampfdruck, aber noch schneller herunter, wenn die Maschine dauernd mit voller Kraft belastet war. Das war eine böse Sache.

Es wurde sofort an die Firma geschrieben und verhandelt. Auch an Herrn Lifka wurde geschrieben und da war es dasselbe.


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Es blieb nichts übrig, als die Maschine der Firma zur Verfügung zu stellen. Natürlich war diese nicht so ohne weiteres einverstanden.

In Tetschen- Bodenbach war damals eine grosse Ausstellung. Wir kamen also von Znaim nach Tetschen. An einem Samstag nachmittag wurde die Ausstellung eröffnet, selbstverständlich unfertig, wie das bei Ausstellungen meistens so ist. Am vormittag dieses Tages kam der Herr Flader selbst, um sich zu überzeugen. Er zog einen Arbeitsanzug an und machte sich über die Maschine, um Alles zu überprüfen. Dieser Samstag bei der Eröffnung war für den Vergnügungspark noch nicht von Bedeutung. Die 2 oder 3 Vorstellungen arbeiteten wir mit Anschluss. Am Sonntag aber wurde Alles auf die Maschine geschaltet und Herr Flader heizte und bediente sie selbst. Er brachte es auch tatsächlich fertig von 14- 22 Uhr durchzuhalten, aber dann hatte er genug. Er hatte eine gewaltige Leistung vollbracht und er sagte dann selbst, das kann man keinem Menschen zumuten. Dann wurde ausgemacht, dass er eine andere Maschine liefert und diese bis zur Ankunft der neuen bei uns bleibt, denn bewegen musste sich etwas. Übrigens beleuchteten wir damit die Plafond- Lichtleisten im Kesselraum. Dazu langte es.

Wir hielten noch einige Städte mit Anschluss, denn im Spätsommer war wieder eine Ausstellung in Teplitz. Dorthin kam die neue Maschine eine weisslackierte Lokomobile mit Messingbändern um den Kessel und Feuerbüchsen, schönen Armaturen, mit 2 Schwungrädern über der Feuerbüchse, also in umgekehrter Art als gewöhnliche Lokomobile. Als wir ankamen, war die Maschine schon auf der Bahn. Sie wurde gleich mit den anderen Wagen ausgeladen. Nachdem wir mit dem Aufbauen fertig waren, wurde angeheizt. Dieser Kessel brauchte beinahe 2 Stunden Heizzeit, bis er unter Druck stand. Dafür aber hielt der Druck allen Ansprüchen stand.

Der Dynamo wurde von der Flader- Maschine abmontiert und auf einen hiezu schon vorhandenen Wagen montiert. Dieser wurde vor der Rauchkammer quergestellt und die statt dem vorhandenen Zahnrad aufgezogene Riemenscheibe mit dem einen Schwungrad der Maschine durch einen geleimten Riemen angetrieben. Als Alles fertig war wurde auf Hub gestellt und anlaufen gelassen, aber oh Schreck, die Pläuelstange überwandt nicht den toten Punkt sondern schnellte wieder zurück ohne die Drehung gemacht zu haben. Dann wieder nach vor und zurück wobei die Schwungräder und das Unterrad wie bei einer Taschenuhr hin und herpendelten. Also, sofort abstellen. Der Heizer schien von der Maschine selbst nicht viel zu verstehen, denn er fand nichts und Vater auch nicht. Helfer, wie sonst, waren auch nicht vorhanden, denn der Ausstellungsplatz war während der Aufbauarbeiten gesperrt. Damals sah ich meinen Vater wohl zum ersten Mal verzagt. Ich höre noch meine Mutter sagen: "Siehste Louis, ich habs doch gleich gesagt, Du sollst die Finger von dem Kinematographen weglassen, das ist nichts für uns". Sie war aus Leipzig, die Mutter. Es war ein Trauerspiel nach all den Katastrophen, die wir in den letzten zwei Jahren hatten, nun auch noch das.

Papa und Mama zogen sich einstweilen in den Wohnwagen zurück. Dann kam Vater und befahl bei dem Kino Alles sein zu lassen und das Museum fertigzumachen. Das war vorläufig immer noch das Hauptgeschäft. Vater begab sich zu der Ausstellungsleitung, um Anschluss für das Museum zu bestellen. Es war auch schon elektrisch beleuchtet und die 12 PS der Maschine genügten damals auch noch für ein weiteres Geschäft. Die anderen Kinos, ausser Norten, hatten nur 5 oder 6 PS, Norten betrieb, wie schon erwähnt, ein Spring-Pferde-Karussell neben dem Kino.


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Mir gab die Geschichte keine Ruhe. Ich liess Museum Museum sein, kletterte auf die Maschine und sah mir die Sache genau an. Da entdeckte ich an der Excenterscheibe einen einen Halbkreis beschreibenden Schlitz durch den ein Bolzen ging, der eine  Mutter mit Beilagscheibe und Kontramutter aufwies. Da ich ein Maschinennarr war und reichlich Bücher studiert hatte, war mir die Sache sofort klar. Die Muttern hatten sich gelockert oder waren vielleicht nicht fest genug angezogen. Sie waren nicht so lose, dass man es sehen konnte, aber doch so viel, dass die Excenterscheibe nicht festsass. Ich drehte nun die Scheibe so weit nach einer Seite, bis sie mit den Schlitzenden am Bolzen anschlug und zog die Muttern an. Dann liess ich die Maschine anlaufen und siehe da, sie drehte sich erst langsam, dann immer schneller, bis sie ihre 165 Touren machte. Sie lief so ruhig, dass man gar nichts hörte. Nur den Auspuff konnte man schwach vernehmen.

Ich zog die Dampfpfeife und rief Alle zusammen. Papa kam auch und da stürzten sich Alle über mich her mit Fragen. Endlich beruhigte man sich und da merkten wir, dass die Maschine verkehrt lief. Also wieder Aufregung. Aber ich beschwichtigte gleich, drehte die Excenterscheibe andersrum und schon war die richtige Drehrichtung da.

Vater liess damals auch das Museum anschliessen, da es etwas weit vom Kino entfernt war und wir auch noch nicht so viel Leitungsmaterial hatten. Aber dann brauchten wir keinen Anschluss mehr.

Später. Wir hielten da unter Anderem in Zettwitz. Dort war ein grosses Fest, ein sogenanntes Schiessen (sprich Schüssen). Dorthin bekamen wir die erste Notenorgel aus Waldkirch (Baden). Der Platz für sie war schon vorhanden. Wir brauchten nur die zwei rechten, durch Malerei verschlossenen Felder zu öffnen, wie in der Abbildung ersichtlich. Das war wieder ein Fortschritt. Die Orgel war nicht sehr gross aber sehr gut in der Musik.

Die Kabine war damals auch schon anders. Da die Bude immer zu klein war, wurde die trennende Leinwand entfernt und der Zuschauerraum dadurch um 2m länger. Die Kabine wurde aussen angebaut. Es war dies ein, aus Holzrahmen, welche mit starkem Eisenblech beschlagen waren, zusammenstellbares Häuschen von 2 mal 2m Bodenfläche. Es war mit einem Wellblechdach versehen und war an der Bude anschliessend 2.10m, an der anderen Seite 1.90 hoch. Das Ganze stand auf vier Säulen, etwa 1.80 hoch vom Boden. Mit einer anhängbaren Leiter konnte man hineinsteigen.

Auf diesem Fest hatte ich, das heisst wir Alle, einen schweren Tag. Am sogenannten Haupttag dieses Schiessens machte ich 33 Vorstellungen. Mit der einen Hand drehte ich den Apparat, mit der anderen konnte ich essen, allerdings mit Unterbrechungen. Auf den Kopf legte ich mir von Zeit zu Zeit Eisbeutel, denn die Sonne brannte den ganzen Tag auf das Wellblechdach. Pause gab es keine. Hinten schickte  man die Leute hinaus und von vorne kam das neue Publikum herein. Ich hatte gerade Zeit die beiden Filmspulen mit je 250m umzurollen und Kohlen umzusetzen. Dann ging es schon wieder los.

Wir hielten dann noch Aussig, Leitmeritz, Saaz und fuhren dann direkt nach der Steiermark.

In Eisenerz wurde das Museum und die grossen Packwagen und Wohnwagen eingestellt und wir machten dann über den Winter einen Streifzug nur mit der Maschine und dem Packwagen durch die kleinen Städte und Orte. Wir nahmen da nur die nötigen Sachen mit und spielten in Gasthaussälen, wo wir auch wohnten.

In  Zeltweg flog der Heizer hinaus. Er war ein arger Gegner und wurde frech. Vater nahm den Wilhelm her und zeigte ihm alle Handgriffe. Er selbst blieb bei der Maschine und setzte sie in Betrieb.


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u.s.w. Vater hatte die Heizerprüfung schon gemacht. Wilhelm hatte übrigens schon seine Lehrbücher, denn er war dazu bestimmt, unser Heizer zu werden.

Dieser Winter war sehr schön, obwohl es teilweise sehr grimmig kalt war. In Deutsch- Landsberg hatte es 30 Grad Minus, als wir die Maschine auf dem Hauptplatz vor dem betreffenden Gasthaus aufstellten. Überall waren wir eine Sensation. Nicht nur der Kinematograph, auch die elektrische Beleuchtung machte Aufsehen, denn diese kleinen Städte hatten noch kein elektrisches Licht. Es waren nur Mühlen oder andere Betriebe mangelhaft im Ort, die eine kleine Dynamo hatten und damit ihr Haus beleuchteten.

Meistens war das betreffende Gasthaus auf dem Hauptplatz. Stand also die Maschine auf diesem Platz, wurde an einer Stange eine Bogenlampe aufgehängt, die den ganzen Platz beleuchtete. Ferner wurde am Eingang des Gasthauses auch eine Bogenlampe aufgehängt. Nach diesen Lichtern flogen die Motten, die wir beleuchteten. Ausserdem wurden auch die Gastzimmer beleuchtet, ebenso Gänge, Stiegen, der Hof u.s.w. Dazu hatten wir eine ganze Auswahl an Beleuchtungskörpern, mit Glastulpen, Schirmen und Kugeln und das Alles machte grossen Effekt.

Nach der Vorstellung musste die Maschine natürlich noch weiterlaufen, damit die Stadtoberhäupter beim schönen, elektrischen Licht sitzen bleiben konnten. Der Herr "Direktor"  sass natürlich am Ehrenplatz und wer meinen Vater kannte, wusste, dass er ein ausgezeichneter Gesellschafter war. Der Maschinist bekam natürlich allerhand Trinkgelder.

Unser Programm war in diesem  Winter schon ziemlich reichlich und vergrösserte sich immer mehr, denn es wurde immer dazugekauft.

Von der Firma Pathe Freres, Paris, kam alle 3 bis 4 Wochen ein Kistchen mit Filmen in Blechbüchsen. Die Büchsen hatten gewöhnlich die Grösse einer Schuhcremeschachtel, nur waren sie höher. Mit der Zeit aber wurden sie, zum Teil wenigstens, immer grösser. Zu den Kistchen kam ein Schreiben folgenden Inhaltes: "Wir senden Ihnen mit gleicher Post eine Auswahlsendung unserer neuesten Aufnahmen. Wollen Sie bitte die Filme ansehen und nach Auswahl Nichtgewünschtes retournieren, wonach wir Ihnen Rechnung zusenden werden. (Anschliessend waren die Titel der Filme) Wir hoffen u.s.w."  Wir drehten die Filmchen herunter und meistens blieben alle da. Selten gingen ein oder zwei zurück. Wir bezogen aber nicht nur von "Pathe" sondern auch von "Lumiere", Paris und "Ralay Robert, Warning Tratinger, London und sogar von Philadelphia, das Meiste aber von "Pathe". Aus dem Zettel (beiliegend Zettel), der aus Gleisdorf, der letzten Station dieser Winterstation stammt, ersieht man das Filmprogramm. Die Vorstellungen dauerten über 1/2 Stunde.

In dem vorher erwähnten Eisenerz kam eines Tages ein Schreiben von "Pathe", sie hatten einen neuen Film hergestellt, den sie aber wegen der grossen Länge nicht zur Auswahl schicken könnten. Es war "ALI BABA und die 40 RÄUBER" 180m lang, ganz  koloriert und ob wir den Film bestellen wollen. Da wurde Familienrat gehalten und erwogen, 180m, das ist ja schon das halbe Programm und geht denn der Film auf eine Scheibe herauf u.s.w. Schliesslich wurde er doch bestellt und es wurde nicht  bereut. Es kamen dann schon öfter Filme über l00m Länge.

Diesen Sommer bekamen wir die damals neuen FLAMMEN- BOGENLAMPEN. Als wir in Klagenfurt eröffneten kam die Feuerwehr angefahren. Es war diesen Tag etwas dunstige Luft und da wirkte dieses rote Licht wie ein Riesenbrand. Auch in Waldhofen a.d.Y. fuhr die Feuerwehr wegen dieser Lampen aus.


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In Amstetten bekamen wir eine neue Lampe aus Dresden mit senkrecht zueinander stehenden Kohlen, also keine Scheeren-, sondern eine Prismenlampe. Sie stand schief nach hinten geneigt, hatte aber nur 3 Regulierschrauben. Mit dieser Lampe war schon ein wesentlich besseres Licht zu erzielen.

Im Herbst landeten wir in Trient (Südtirol). Unsere Programme langten schon für 4 Wochen. Ausserdem kamen gerade dorthin wieder etliche Filmsendungen, unter Anderem "NAPOLEON BONAPARTE", 400m lang und koloriert. Das war ein grosses Geschäft. Der Film füllte überall die Häuser. Er wer auch wirklich sehr gut. Ich habe nie wieder einen solchen Napoleondarsteller gesehen, wie in diesem Film. Über alle späteren Napoleondarsteller ärgerte ich mich immer. Wer der Schauspieler war wussten wir leider nicht.

Es gab damals auch schon 20 bis 50m lange Lustspiele (damals komische Filme genannt) mit MAX LINDER und sogar HENNY PORTEN war schon da. Sie spielte damals ein Stubenmädchen. Weder von ihr, noch von Max Linder hatten wir eine Ahnung, dass sie einmal so berühmte Filmgestalten würden. Bekamen wir einen Film mit MAX LINDER so hiess es "Ach der verrückte Kerl" spielt wieder mit und kam einer mit HENNY PORTEN, hiess es "ah, die fesche Gredl ist auch dabei" oder "die hübsche BLONDE". Jedenfalls wurde ein Film mit der "feschen Gredl" oder dem "verrückten Kerl" nie zurückgesandt.

Etwas, was sich aber erst später in Wien zutrug, möchte ich, da ich gerade dabei bin, schon hier anführen. Da bekamen wir ein Lustspiel mit "MAX LINDER" von ungefähr 160m Länge. Es hiess "Der Hühner- Augenoperateur". Inhalt: Ein Ehemann nahm Abschied von seiner hübschen Frau um zu verreisen. Kaum war er draussen machte sich die Frau schön, denn sie erwartete ihren Liebhaber. Da kam das Stubenmädchen und meldete (Untertitel) "Gnädige Frau, die Waschfrau", "Erledige sie selbst", "Gnädige Frau, der Hühneraugen- Operateur", "Schicke ihn fort", dann aber kam der Richtige. Das Mädchen meldete wieder "Gnädige Frau, da kommt Herr Max". Auf den hatte man schon mit Sehnsucht gewartet, aber ihr Mann hatte den Zug versäumt. Das Mädchen sah ihn zurückkommen und warnte die Beiden. O Schreck, was tun ? Halt, ich hab´s, Du musst den Hühneraugen- Operateur spielen. Als der Mann hereintrat hantierte Max fein säuberlich am Fuss der Gnädigen Frau herum. Es wäre Alles gut gewesen, wenn dem Mann nicht eingefallen wäre, dass auch seine Hühneraugen nicht in Ordnung sind. Max musste also, ob er wollte oder nicht, an die Operation schreiten was nach allerhand tollen sachen mit einem Hinauswurf endete. Von da an war "Max" in ganz Wien als der "Max" bekannt. Es wurde auch ausser Programm gedruckt "komische Szene mit Max". Es dauerte lange bis wir wieder einen Film mit ihm bekamen. Hinter dessen Haupttitel stand "Komische Szene mit Max Linder."

So ähnlich war es mit "HENNY PORTEN" und allen anderen damals bekannten Schauspielern.

Nun zurück nach Trient. Als wir den Rahm abgeschöpft hatten wurde das Museum und die Schaukel, wir hatten auch eine schöne Schiffschaukel, in Trient eingelagert. Mit der Maschine, einem Pack- und einem Rungenwagen und diesmal mit der Bude, fuhren wir nach Rovereto. Als wir ankamen, lag dort 1/2 m Schnee. Das wer eine nette Überraschung. Zum Glück waren die Strassen ausgeschaufelt. Auf unserem Platz, eine Parkanlage, stand schon ein Schausteller, ein alter Bekannter, ein gewisser Hermann, mit seinem Panoptikum. Daher war auch der Platz ausgeschaufelt und was noch fehlte, besorgten wir mit unseren Leuten.


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Wir waren damals Vater, Wilhelm, zwei weitere Burschen. Meine Mutter und ich, mein Bruder, sowie das Dienstmädchen waren in Trient geblieben. Der Schnee blieb nicht lange liegen, wir waren bald von ihm erlöst.

Von dort fuhren wir per Achse mit Ochsengespann nach Riva am Gardasee. Diese Fahrt werde ich auch nie vergessen. Bis Mai war sie nicht schön, denn es regnete ohne Unterlass. Wir kamen bei Dunkelwerden in Mori an und mussten dort übernachten. Das Einkehrgasthaus sah aussen und innen wie eine Räubererhöhle aus, ebenso die Kutscher mit samt den Gästen und der Wirtin. Wir hatten da, besonders ich, ein wenig unheimliche Gefühle, aber es sah nur so aus. Die Wirtin frug, ob sie einheizen soll. Darüber waren wir sehr erfreut, denn es war sehr kalt. Auch waren wir überrascht, denn wir wussten, dass es dort nirgends heizbare Zimmer gab. Wir konnten beide ziemlich gut italienisch sprechen und stimmten freudig zu. Als wir gegessen hatten, gingen wir hinauf in unser Zimmer. Die Wirtin führte uns. Als wir eingetreten waren suchten unsere Blicke vergeblich nach einem Ofen. Auch spürten wir nichts von Wärme. Also frug Vater: "In dove se fogo ?" "Oh, prego Signore, qua," wobei die Wirtin die Bettdecke zurückschlug. Da kam  ein Holzgestell zum Vorschein, das aussah, wie zwei aufeinander gestellte Brückenbogen, in deren Gewölbe ein Tontopf mit seitlichen Löchern hing und in welchem ein Holzkohlenfeuer brannte. Also das nannte die Wirtin "einheizen" . Die Betten waren aber tatsächlich schön warm. Als wir morgens zeitlich aufstanden, hatten wir wieder die Bescherung, es schneite, was nur vom Himmel runterkonnte. Es wurde aber trotzdem eingespannt und weiter ging's. Wir fuhren nicht sehr lange, da wurde aus dem Schnee Regen und schliesslich kam die Sonne und dann  wurde die Fahrt schön. Die Fuhrleute hatten an die Maschine, so wie an jeden Wagen, vier Paar Ochsen eingespannt, warum, kann ich mir heute nochnicht erklären, es hätten auch zwei Paar getan.

Als wir die Serpentinen passierten, spannten die Fuhrleute die Ochsen an den beiden Wagen aus und alle vor die Maschine. Das war drollig anzusehen. Die ersten Ochsenpaare waren schon um die Serpentine herum, während die Maschine noch unten in gleicher Höhe war, sodass das Ganze von oben wie ein beinahe geschlossener Kreis aussah. Schön war diese Gegend, die Serpentinen, die kleinen Seen dazwischen, die Zypressen u.s.w. Wir konnten garnicht genug schauen. Mit vielem Umspannen kamen die Wagen endlich über die Höhe. Wir waren vorausgegangen und sahen der ganzen Sache von oben zu, denn dreinreden konnte man den Leuten doch nichts.

Als wir in Riva aufbauten, mussten wir entdecken, dass das Dach und die Rundleinwand nicht mehr passten. Es war alles zu kurz und zu schmal. In Revereto hatte es, wie erwähnt, tagelang geregnet und wir mussten daher die Leinwand vollständig nass auf den Rungenwagen werfen. Ich sage werfen, denn zusammenlegen und in eigenen Säcken verpacken wie sonst, konnte man die nasse Leinwand nicht, sonst wäre sie verstockt. Während des Aufbauens wurde es glücklicherweise wieder schön und so liess sich die Leinwand wieder richtig spannen.

Das Geschäft ging auch hier, wie überall, sehr gut. Es gab selten Orte, wo es nicht besonders gut war und das waren ausgesprochene Pensionisten- oder Bauernorte. In Riva war es herrlich, die schönste Gegend, die ich sah. Mutter besuchte uns auf einige Tage und da gondelten wir zusammen auf den See hinaus, bis zum Tonale- Fall. Überhaupt machten wir dort sehr viele Ausflüge über tags. Von dort kamen wir nach Arco. Dort war es, abgesehen vom See, noch schöner. Unser Platz war gegenüber dem Kurhaus. Dazwischen lag die Strasse, darüber ein Krokett- Platz, eine Gartenanlage und das Kurhaus. Täglich spielte nachmittags die Kurkapelle, es war dort einfach wie im Himmel. Nachts war es kalt, aber tagsüber trug man Sommerkleider


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und Strohhüte und es war Ende Jänner. Auch hier machten wir viele Ausflüge und versäumten nicht den Veronafall zu besuchen. Das Geschäft war in Arco wohl das schlechteste, das wir jemals hatten. Es war eben ein Nobelkurort und die "feinen Leute" hatten für den Kinematographen und insbesondere für Schausteller nicht viel übrig.

Aber da war eine Baronin oder Gräfin, ich weiss nicht mehr genau, jedenfalls eine sehr reiche Dame, jung und schön und elegant. Die spielte täglich mit den Offizieren aus dem deutschen Offiziersheim Krokett. Diese Dame interessierte sich scheinbar sehr für den Kinematographen, denn sie bestellte sich, so lange wir dort waren (mindestens 3 Wochen) 3 Extravorstellungen in der Woche. Sie schickte einfach einen Diener mit der Weisung, um die oder die Zeit eine Vorstellung zu geben oder sie kam selbst über die Strasse. Dass die Bestellung 2 Stunden vor der Vorstellung sein musste, wusste sie schon. Dann kam sie mit 5 bis 8 Herren und zahlte dafür 100 Kronen.

Von Arco fuhren wir nach Trient zurück, um die andere Geschäfte und Wagen nach Bozen zu verladen. In Bozen waren wieder mehrere Schausteller anwesend, darunter auch der bekannte Seiltänzer Strohschneider. Der und auch die meisten anderen Schausteller waren gute Freunde von Vater, aber Herr Strohschneider wurde auch mein Freund, das heisst eigentlich ein väterlicher Freund. Jedenfalls machten wir Beide oder zu Dritt mit Vater sehr viele Spaziergänge. Meistens landeten wir auf der Haselburg.

Von Bozen hielten wir Brixen und erhielten dort die ersten Shetland- Ponys. Das waren Zwergpferde. Eines war so klein, kleiner als unsere Dogge. Sein Hufeisen konnte man mit einem 5 Kronenstück zudecken. Diese Pferdchen wurden in eigener Bude für 20h Eintritt gezeigt. Später dienten sie zum Reklame- Fahren.

Dann kamen wir nach Bregenz am Bodensee. Von dort machte Vater einen Abstecher nach St. Gallen in der Schweiz und nahm mich mit. Es war dort ein Fest. Wir sahen dort einige grosse Kinos, 20m lang, mit prächtigen, geschnitzten Fassaden und Maschinen von  mindestens 20 PS. Da beschloss Vater auch, die Bude zu vergrössern und zu verschönern. Ich musste mich übers Zeichnen machen, die Bude auf 20m Länge, 9m Breite und auch höher, zeichnen und einen Entwurf für die Fassade machen. Diese wurde in Klagenfurt bei Köstern bestellt.

Die Notenorgel war schon bei Wilhelm Bruder in Waldkirch in Auftrag gegeben. Auch eine neue Lichtmaschine wurde bei GARRET SMITH & CO bestellt, eine Spezialmaschine, eigens für den Kinematographen konstruiert, 24 PS und 10.000 kg schwer.

Von Bregenz fuhren wir direkt nach Asch in Böhmen. Der Transport der Wagen hin dauerte beinahe 8 Tage. Mein Bruder und ein Bursche fuhren als Pferdebegleiter mit dem Transport mit. Wir anderen aber bummelten gemütlich. Wo es etwas zu sehen gab haben wir die Fahrt unterbrochen. Die erste Station war Lindau. Da sahen wir einen gewissen Ohr mit einem Kino, dann wieder in Kaufbäuren Schausteller und Kinos u.s.w.

Bevor wir uns 1913 in St. Pölten endgültig niederliessen, stand unser Zaubertheater auf der Schiesstadt. Dort wurde dieses von einem Gewittersturm, gerade als der Vorhang aufgehen sollte, gänzlich niedergerissen. Das Haus war voll besetzt, es fasste 800 Personen und man muss es schon ein Wunder nennen, es wurde niemand ernstlich verletzt. Der ganze Zuschauerraum war ein Trümmerhaufen. Nur die Bühnenräume hielten stand, das heisst, die hintere Giebelwand wurde auch eingedrückt, sodass die Geisterbühne und der grosse Spiegel auch beschädigt waren.



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Damals wurde uns der grosse Schiesstatt- Saal zur Verfügung gestellt, in dem wir unsere Vorstellungen fortsetzten. Ich muss sagen, die St.Pöltner waren damals sehr nett. Gar mancher hatte da ein Kleidungsstück eingebüsst oder eine Beule oder eine Quetschung u.s.w. davongetragen, aber Niemand machte auch nur irgendwelche Ansprüche, im Gegenteil, wir wurden bedauert und im Schiessattsaal (heute Stadtsäle) hatten wir ausverkaufte Häuser. Wir blieben ziemlich lange, ich glaube 4 Wochen, in St.Pölten. Während dieser Zelt wurde das Zaubertheater wieder aufgebaut.

Von hier reisten wir nach Wr.Neustadt und wie es das Gesetz der Serie will, wären wir dort wieder abgebrannt. Ein Gasofen hatte einen Riss bekommen. Es wurde zwar vorher Alles durchgesehen aber dieses eine Stück halt doch übersehen. Beim Ableuchten der Röhren, was immer geschah, schoss eine Flamme heraus und nur der Geistesgegenwart unseres Artisten Gruner war es zu danken, dass nichts geschah.

Von Wr.Neustadt fuhren wir nach Eisenstadt. Diese Station war der endgültige Abschied vom Zaubertheater.

Während dieser Tournee bauten wir das Panoptikum wieder auf und zwar grösser und in Verbindung mit einern anatomischen Museum. Mit diesem Panoptikum und Museum reisten wir im Winter 1899 nach Italien.

In St.Pölten am Stadlmeierplatz hatte ich ein Malheur. Die Kabine war da nicht schon nur ein Teil der Bude, sondern ein, ausserhalb am rechten Giebel, auf 4 Säulen stehendes Blechhäuschen mit einem Wellblechdach. Eine Leiter diente zum Einstieg. Es war ziemlich hoch, da wir schon in der damaligen Bude die Sitzreihen amphietheaterartig angeordnet hatten. Nur war da ein so neugieriger, lästiger Mensch, den ich nicht leiden konnte. Der kam immer in die Kabine gekrochen und ich konnte ihn nicht fortjagen, da Vater mit ihm geschäftlich zu tun hatte.

Eines Tages kam ein Fiaker gefahren. Ihm entstieg ein eleganter Herr und fragte nach "Herrn Geni". Der war anwesend. Der Herr war von der  WARWIG DROTING CO. London. Er hatte mehrere Koffer voll mit Filmen. Also Vorführung ! Die Maschine wurde angeheizt. Inzwischen ging der Herr und Vater ins Restaurant Stadlmeier frühstücken, dann wurden die Filme heruntergedreht. Da kam der unangenehme Mensch heringeschnüffelt, blieb an der Tür stehen, sodass er knapp hinter mir stand und fing an alles Mögliche und Unmögliche zu fragen. Das machte mich, besonders bei dieser Vorstellung, wo ich die Filme noch nicht kannte, wahnsinnig. In dieser Aufregung hatte ich nun den  Film nicht richtig in die Feder der Aufwickelspule eingeklemmt, die Spule nahm den Film nicht mit, legte sich in schönen Schleifen zwischen Apparat und Laterne auf, bis er in den Lichtstrahl kam. Das wäre heute auch nicht mehr möglich. Dann brannte der Film auch schon. Aber flink war ich immer schon und so fasste ich das brennende Stück, drehte mich und und warf es zur Tür hinaus. Da aber der Lakl vor der Tür stand, flog er eben auch hinaus und mit ihm die Tür, da sie zu war. Ich sah nun noch schnell hinaus, ob da unten nichts weiterbrennt, konnte aber den Film, ungefähr 2 m waren schon abgebrannt, noch retten. Ich fasste schnell den inzwischen auf den Boden gelaufenen Film auf, klemmte ihn in die Spule und liess ihn sachte anlaufen.


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Im  Zuschauerraum merkte man nichts, denn, nun muss ich dazu bemerken, dass ich schon einen Motor hatte. Gerade hierzu kam er nach St.Pölten aus Paris. Im Kino war nur der Herr aus London, Vater und Mutter, einige Schausteller und unsere Leute. Der Vater hatte doch etwas gemerkt. Er kam nach einer Weile und frug "Du war da was los?" Ich erzählte ihm die Sache. Na da ist gut, aber jetzt hast Du gesehen wie schnell das gehen kann, und wirst gut aufpassen. Und ich habe aufgepasst. Ich hatte bis heute noch keinen Brand und hoffe auch in Zukunft keinen verzeichnen zu brauchen. Den Quälgeist hatte ich los, der kam nicht mehr in die Kabine

In St.Pölten erlebte ich noch etwas. Es war zu der Zeit das Gesetz herausgekommen, dass Vorführer geprüft sein müssen. Ich wusste davon nichts und war umso überraschter als Vater sagte: "Schraub heute nach der Vorstellung den Apparat ab, wir fahren morgen früh nach Wien der Apparat muss geprüft werden und Du auch. Also darauf war ich nicht vorbereitet, aber darnach frug Vater nicht. Also fuhren wir nach Wien. Es war nicht das erstemal, aber diesmal freute mich die Wienfahrt gar nicht. Es ging aber Alles gut. Zuerst wurde der Apparat und dann ich geprüft. Vor den Toren des TECHNOLOGISCHEN INSTITUTES hatte ich noch mässig Angst, doch als wir drinnen waren und es dort allerhand interessante Sachen zu sehen gab, war es mit der Angst vorbei. Der Professor war noch nicht da. Ein Diener führte uns herum und dann ordnete er an, dass ich den Apparat auf den vorhandenen Tisch mit Laterne aufstellen soll. Ferner musste ich die Lampe anschliessen und alles fertig machen. Als dann der Professor kam war seine erste Frage, ob ich das selbst gemacht hätte. Nach der Bejahung musste ich noch verschiedene Fragen beantworten und schliesslich einen Film vorführen. Damit war die Prüfung zu Ende. Das war am 3.August 1903.

Später war ich eine ziemlich bekannte Persönlichkeit am Technologischen Gewerbemuseum, da verschiedene neue Kinobesitzer bei mir lernten und ich immer mit zur Prüfung kam. Wirkliche Vorführer gab es zu der Zeit wohl noch nicht, denn die Kinobesitzer spielten alle selbst, Frauen wohl auch, wie Frau Gierke und Frau Öser. So dürfte ich damals ziemlich der einzige Vorführer gewesen sein.

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